CDU Rottweil erinnert an jüdisches Leben

Geführt von Angelika Braun vom Verein Ehemalige Synagoge begaben sich Mitglieder der örtlichen CDU auf die Spuren jüdischen Lebens in Rottweil.

Gedenkstätte für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft

Startpunkt war die Gedenkstätte für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft im Nägelesgraben, in Sichtweite der 2017 eingeweihten neuen Synagoge. Der Weg führte an das obere Ende des Friedrichsplatzes zum Eingang in den Lorenzort, im Mittelalter „Judenort“ genannt. Die erste jüdische Gemeinde in Rottweil sei durch ein Pogrom im Jahr 1348 ausgelöscht worden, berichtete Angelika Braun. In der Folgezeit habe sich die Freie Reichsstadt abweisend gegenüber jüdischen Gewerbetreibenden verhalten, um die einheimischen Geschäftsleute vor Konkurrenz zu schützen.

Zweite jüdische Gemeinde in Rottweil

Erst durch die Eingliederung Rottweils ins Königreich Württemberg und dem Wegfall der vormaligen Restriktionen hätten sich Anfang des 19. Jahrhunderts wieder Juden in der Stadt niederlassen und in der Folge die zweite jüdische Gemeinde bilden können. Anfangs habe man sich im Haus von Moise Kaz in der Oberen Hauptstraße, dann im Gebäude des heutigen Gasthauses „Zum Becher“ zum Gebet getroffen. Schließlich sei im Jahr 1860 das Gebäude in der Kameralamtsgasse erworben und darin ein größerer Betsaal eingerichtet worden.

Dunkle Zeiten

Auf die Folgen der Naziherrschaft eingehend berichtete Angelika Braun, dass SA-Männer nach der Reichspogromnacht im Jahr 1938 die Inneneinrichtung des Betsaals zerstört hätten. Bereits in den Jahren davor sei auch in Rottweil der Druck auf die jüdische Bevölkerung gewachsen. So habe die „Rottweiler Bürgerzeitung“, herausgegeben von einer Druckerei in jüdischem Eigentum, den Status als Amtsblatt und damit die ökonomische Grundlage verloren. Die Besitzerfamilie Rothschild sei 1937 nach Basel gezogen und von dort nach Amerika ausgewandert. Durch die zunehmende Ausgrenzung und Verfolgung der jüdischen Einwohner verursacht, hätten zur Zeit der Reichspogromnacht am 9. November 1938 nur noch wenige Mitglieder der israelitischen Gemeinde in Rottweil gelebt. Erst durch den Zuzug von Juden aus den ehemaligen Ostblockstaaten in den Jahren um die Jahrtausendwende sei es zur Gründung einer neuen Israelitischen Kultusgemeinde gekommen.

Dritte Gemeinde und der Verein Ehemalige Synagoge Rottweil

Monika Hugger, Vorsitzende der CDU-Stadtratsfraktion, ging in ihren Dankesworten kurz auf die Entstehungsgeschichte dieser Führung ein. Der Verein Ehemalige Synagoge habe angeregt, eine Straße oder einen Platz nach einem ehemaligen jüdischen Bewohner zu benennen. Diesem Vorschlag seien die Stadtratsmitglieder nicht gefolgt. Dem Anliegen des Vereins, an die jüdischen Mitbürger und deren Wirken in und für Rottweil zu erinnern, sei aber durchaus anerkannt worden. Daraus habe sich die Frage ergeben, ob man den vielgestaltigen Menschen jüdischen Glaubens nicht beispielsweise in Form einer Ausstellung gerecht würde. So ein Projekt übersteige allerdings die Kapazitäten des Vereins Ehemalige Synagoge. Es bleibe die Hoffnung, dass sich Interessierte finden ließen, die hier anpacken könnten.

An der Gedenkstätte für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft begann der Rundgang auf den jüdischen Spuren. Angelika Braun (rechts) vom Verein Ehemalige Synagoge führte die Rottweiler CDU mit den Stadträtinnen Monika Hugger (links), Vorsitzende der Stadtratsfraktion, und Miriam Kammerer, Vorsitzende des Stadtverbands, an der Spitze.

Foto: Martin Baumgartner