„Das Ohr am Volk haben“ (Ursula Spreter)
Ursula Spreter: Porträt eines CDU-Mitglieds, engagiert an der Basis
Rüstzeug für Familie und Beruf
Ursula Spreter kam im Elternhaus unweit des heutigen „Kapuziners“ in Rottweil zur Welt und wuchs als Zweitälteste von insgesamt 13 Geschwistern auf. Sie machte bei der Gewerbeschule, zu dieser Zeit noch in städtischer Trägerschaft, eine Ausbildung zur „Bürogehilfin“, wie das damals hieß. Heute würde man „Bürokauffrau“ sagen. Danach arbeitete sie als Schulsekretärin bei den Beruflichen Schulen, bis zur Geburt ihres ersten Sohnes in Vollzeit, danach immer mal wieder vertretungsweise.
Auf dem Weg zur CDU
Die politische Nähe zur CDU hat ihre Grundlage schon im Elternhaus. Der Vater war in der Weimarer Republik zusammen mit Robert Gleichauf, dem nachmaligen Finanzminister, Mitglied der katholischen „Sturmschar“. Diese hatte ihre politische Heimat bei der Zentrumspartei. Deren Anhänger stießen nach dem Krieg größtenteils zur CDU, die den Abschied von den vormals konfessionell geprägten Parteien markierte.
Näher an die CDU gerückt bis hin zur Mitgliedschaft ist Ursula Spreter durch ihren Ehemann Helmut, dem langjährigen Stadtrat und CDU-Fraktionsvorsitzenden im Rottweiler Gemeinderat. Sie kümmerte sich um das Management des „Unternehmens“ Familie, einschließlich der Finanzverwaltung. Darüber hinaus wirkte sie in der Funktion eines Sekretariats für ihren vielfach engagierten Ehemann. Das beschränkte sich jedoch nicht auf die Ausführung aller Bürotätigkeiten. Sie war vielmehr auch eine wichtige Ratgeberin für ihren Mann. Durch die große Familie und einem breit gefächerten Bekanntenkreis hatte sie „das Ohr am Volk“, konnte vieles ungefiltert erfahren und für die politische Arbeit nutzbar werden lassen.
Mitgliedschaft im Kreistag
Im Jahr 1999 wurde Ursula Spreter in den Kreistag gewählt, dem sie bis 2004 angehörte. Ihre Kandidatur hat insofern Wellen geschlagen, als sie gegen den anfänglichen Widerstand der Wahlbehörde erreicht hat, als Berufsbezeichnung „Familienfrau“ statt des üblichen „Hausfrau“ anerkannt zu bekommen.
Es war eine Zeit des Umbruchs, da Landrat Manfred Autenrieth in den Ruhestand trat und Dr. Wolf-Rüdiger Michel zu seinem Nachfolger gewählt wurde. Als ein „Herzensanliegen“ ihrer Mandatszeit bezeichnet Ursula Spreter, dass es gelungen sei, einen Zuschuss für „Frauen helfen Frauen“ einzuplanen. Dafür habe einige Überzeugungsarbeit geleistet werden müssen. In einem ganz anderen Bereich sei ein Erfolg für sie gewesen, dass der Grüngutsammelplatz in der Altstadt habe verortet werden können.
Engagement im Gefängnisbeirat
Durch die Kreistagsarbeit sei auch ihre Mitgliedschaft im Anstaltsbeirat des Rottweiler Gefängnisses ausgelöst worden, berichtet Ursula Spreter. Hier habe man sich mit ganz konkreten Anliegen der Gefangenen befassen müssen. Beispielsweise sei in dieser Zeit erreicht worden, dass die Milchglasscheiben in den Zellen entfernt wurden, der Bettwäschewechsel wöchentlich erfolgte und mehr Abwechslung in den Essensplan kam.
Ehrungen
Für ihr vielfältiges Engagement erhielt Ursula Spreter im Jahr 2013 die Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg und im Jahr 2025 die Bürgermedaille der Stadt Rottweil
Einsatz im CDU-Stadtverband
Im CDU-Stadtverband sorgte Ursula Spreter im Jahr 2019 für Bewegung, als es nicht gelungen war, sämtliche möglichen Plätze auf der Liste der Gemeinderatskandidaten zu besetzen und diese außerdem einen ausgesprochen geringen Frauenanteil aufwies . „Das geht gar nicht!“, war ihre empörte Reaktion. In kurzer Zeit gelang es ihr, die offenen vier Plätze mit Kandidatinnen zu besetzen, so dass in einer erneuten Mitgliederversammlung die Lücken geschlossen werden konnten. Das ist ein typisches und eindrucksvolles Beispiel für das Engagement „an der Basis“, unabhängig von Amt oder Funktion.
Hoffnungen
Nach den Wünschen für das politische Geschehen befragt, nennt Ursula Spreter als Wichtigstes den respektvollen Umgang miteinander. Einerseits sollten die Amts- und Mandatsträger das „Ohr am Volk“ haben und ihre Aufgaben verantwortungsbewusst erfüllen. Andererseits sollten die Bürgerinnen und Bürger wertschätzen, dass es Menschen gibt, die bereit sind, sich in einem Amt oder Mandat für das Gemeinwesen zu engagieren.
Ursula Spreter
- Jahrgang 1943
- verwitwet
- vier Kinder
- 12 Enkelkinder
- Familienfrau
- Schulsekretärin a.D.
- CDU-Mitglied seit 1981
- Vorstandsmitglied bei der Frauen-Union von 1989 bis 2014
- Kreistagsmitglied von 1999 bis 2004
- Mitglied des Anstaltsbeirats der Justizvollzugsanstalt von 2003 bis 2016
Foto (2025): Martin Baumgartner

